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Menschen - warum sind wir so?

Glaubst du, dass Menschen eigentlich "gut" sind, edel und hilfreich und dass es nur widrigen Umständen zu verdanken ist, wenn Menschen gewalttätig, ungerecht oder anderweitig unerfreulich handeln?

Wenn du das so glaubst, dann muss ich dich leider enttäuschen, denn starke Argumente deuten darauf hin, dass der Mensch aus wichtigen Gründen ein Wesen ist, das zur Gewalttägigkeit neigt und mit Ellenbogen seine Ansprüche durchsetzt.

Der folgende Artikel ist leider nicht sehr erfreulich, aber wenn man erst mal begriffen hat, warum Menschen so sind, wie sie sind, dann fällt es leichter, uns Menschen so zu akzeptieren, wie wir sind. Und im Endeffekt ist das tröstlicher, als sich immer wieder darüber zu wundern, warum sich Menschen so schrecklich verhalten.

Blick in die Steinzeit

Um das Wesen des Menschen zu verstehen, müssen wir weit zurück in die Geschichte der Menschheit gehen, denn dort liegen die Gründe verborgen, warum sich der Mensch zu dem entwickelt hat, was er heute ist.

Ohne dass es ihnen überhaupt bewusst ist, liegt das Hauptinteresse der Menschen darin, sich möglichst erfolgreich fortzupflanzen, also ihre Gene möglichst vielen Nachkommen mitzugeben. Dazu muss man überleben, zuverlässige Partner anziehen, Nahrung und Obdach finden. Damit das funktioniert, mussten wir Menschen etliche Eigenschaften entwickeln, die diese Anforderungen möglichst gut unterstützen.

Da sich die "erfolgreichen" Menschen stärker fortgepflanzt haben, sind die Erfolgseigenschaften inzwischen in unseren Genen festgeschrieben und wir können kaum gegen diese Gene handeln, selbst wenn wir heutzutage andere Eigenschaften teilweise für wünschenwerter halten.

Es ist nicht einmal so, dass die Menschen tatsächlich ständig ihre Fortpflanzung im Sinn haben. Aber diejenigen, die sich nicht fortpflanzen, deren Gene sind in der nächsten Generation nicht mehr vorhanden, es sei denn, ihre Geschwister pflanzen sich ausgiebig fort. Und diejenigen, die viele Nachkommen haben, deren Gene setzen sich im Laufe der Zeit durch. Unsere heutigen Generationen sind das Ergebnis von Millionen Jahren der Menschwerdung.

Geborene Egoisten

Früher sorgte der Egoist dafür, dass er nach der Jagd das schönere Stück Fell und besonders nahrhafte Brocken Fleisch erhielt. Er nahm sich den besten Ast zum Bau seines Speers und suchte sich die schönsten Muscheln für seine protzige Halskette. Und dann ging er hin und warb erfolgreich ums hübscheste Weibsbild des Stammes.

Heutzutage ist es nicht viel anders, nur dass man sich statt mit einem wilden Fell und Muscheln mit einem teuren Anzug und einer edlen Armbanduhr aufputzt. Statt dem angepeilten weiblichen Wesen einen saftigen Braten vor die Füsse zu werfen, lädt man sie heutzutage in ein Restaurant zum Speisen ein.

Die Muster sind aber die gleichen geblieben.

Und wenn jemand die Frau seines besten Freundes verführt und dieser dann für das Kuckuckskind sorgen muss, dann hat der Egoist das Erfolgsmodell für erfolgreiche Fortpflanzung durch Egoismus auf die Spitze getrieben.

Geborene Altruisten

Doch auch Altruismus kann die Weitergabe der eigenen Gene fördern.

Denken wir nur an den edlen Ritter, der ein holdes Fraunsleut aus der Gefahr errettet, bevor er ihr reichlich Kindersegen schenkt.

Aber auch der Teamgeist in der Jagd erhöht die Chancen auf Jagderfolg, durch grosszügige Gesten gewinnt man Freunde, die einem dann beistehen, wenn man selbst in der Not ist.

Ausserdem hilft es, die Überlebensfähigkeit der eigenen Gruppe zu stärken, denn gemeinsam kann man sich besser verteidigen und dadurch werden auch die eigenen Überlebenschancen und die der eigenen Kinder gestärkt.

Wir Menschen befinden uns also in einem ständigen Zwiespalt zwischen Egoismus und Altruismus, denn beide sind uns angeboren und können auf ihre Weise die Weitergabe unserer Gene fördern.

Geborene Gläubige

Erstaunlich ist jedoch die Tatsache, dass anscheinend auch die Neigung zum Glauben die Weitergabe der eigenen Gene fördert.

Stellen wir uns einfach zwei Stämme vor, die mit gleicher Anzahl und Kriegern bei gleicher Ausrüstung und Ausbildung gegeneinander kämpfen wollen, um beispielsweise Land für ihren Stamm zu erobern.

Die Krieger des einen Stamms glauben daran, dass sie nach ihrem Tod harfespielend auf einer Wolke sitzen und es sich gut gehen lassen. Die anderen Krieger haben sich mit der Evolutionstheorie auseinandergesetzt und sind davon überzeugt, dass ihre Existenz mit ihrem Tod ein Ende findet.

Welche Krieger haben bessere Chancen zu siegen?

Richtig, die Gläubigen.

Denn angesichts ihrer Hoffnung auf gute Zeiten nach ihrem Tod scheuen sie kein Risiko im Kampf für ihren Stamm. Zwar besteht durchaus das Risiko, dass sie im Kampf sterben, aber ihr Stamm profitiert davon.

Ganz anders die wissenschaftlich orientierten Anhänger der Evolutionstheorie. Sie sind eher zaghaft im Kampf, denn sie riskieren ja ihre gesamte Existenz und haben keine Hoffnung auf ein schönes Leben nach ihrem Tod.

Auch jenseits unserer Beispiele, in der harten Realität, hat sich herausgestellt, dass wissenschaftlich orientierte Menschen sich nicht so stark fortpflanzen, wie Menschen, die an mystische Ideen glauben.

Geborene Optimisten

Auch Optimismus fördert die Weitergabe der eigenen Gene, egal ob er berechtigt ist oder nicht.

Ein Beispiel aus der heutigen Zeit:

Wir haben einen Menschen, der glaubt, dass sich letzlich alles zum Guten wenden wird, egal wie bedrohlich eine aktuelle Situation aussehen mag. Wenn er warnende Stimmen hört, ignoriert er die Informationen einfach und glaubt stattdessen an die Güte Gottes oder andere mystische Ideen. Wenn seine Religion dann noch beinhaltet, dass man fruchtbar sein sollte, dann steht der reichlichen Vermehrung nichts mehr im Wege.

Ganz anders derjenige, der sich sachlich mit den drohenden Gefahren auseinandersetzt. Ihm wird bewusst, dass mannigfaltige Schwierigkeiten auf uns warten. Die kommenden Schwierigkeiten würden sich noch steigern, wenn man Kinder hätte. Und die Kinder würden auch unter den Schwierigkeiten leiden. Daher verzichtet derjenige eher auf Kinder, der zukünftigen Problemen ins Auge sieht.

Geborene Irrationalisten

Oft wird vermutet, dass Menschen rationale Wesen sind, doch das ist nicht der Fall.

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Gedanken der Menschen durch chemische Prozesse im Gehirn gesteuert werden, durch Hormone, Neurotransmitter und andere Substanzen.

Die Gedanken und daraus resultierende Handlungen werden erst im Nachinein rationalisiert.

Geborene Lügner

Nicht nur Menschen lügen, auch Tiere und sogar Pflanzen verschaffen sich Vorteile durch das Vortäuschen falscher Tatsachen.

Manche Pflanzen täuschen Blüten vor, wo keine sind, Tiere sehen so aus als wären sie Blüten, um andere Tiere anzulocken, die dann anschliessend gefressen werden. Manche Raubtiere haben eine ähnliche Gestalt und Bewegung wie ihre Opfer, um bei der Jagd nicht sofort aufzufallen. Und auch das gemusterte Fell vieler Tiere, das sie mit der Umgebung verschmelzen lässt, ist als Tarnung wie eine Art Lüge.

Dass Menschen mit ihren Lügen oft durchkommen, und die Lügen daher Erfolg haben, ist wohl jedem bekannt. Wenn die Lügen funktionieren, verschaffen sie dem Lügner einen Vorteil - auch bei der Fortpflanzung. Daher steckt die Lüge in jedem von uns, und sei es als seltene Notlüge.

Besonders tückisch ist übrigens die Lüge, die man sich selbst vormacht, denn dadurch geht der Bezug zur Realität verloren. Aber auch so ein Selbstbetrug verbessert manchmal die Überlebenschancen.

Geborene Politiker

Schon Babies agieren wie Politiker. Schnell lernen sie, dass ein Lächeln ihnen Vorteile bringt und dass sie nur schreien müssen, damit die Erwachsenen herbeigeeilt kommen.

Später lernen sie den Effekt von Trotzanfällen kennen oder dass es wirksamer ist, wenn sie lieb und brav sind, je nachdem, in welcher Umgebung sie aufwachsen.

Auch Kinder untereinander verfolgen ihre eigene Politik, um mit den anderen Kindern zurecht zu kommen.

Das gleiche gilt später für die Partnersuche. Und auch, wenn wir eigene Kinder aufziehen wollen, im Beruf erfolgreich sein wollen oder Freundschaften pflegen, bedienen wir uns der Werkzeuge der Politik.

Vom ganz normalen Menschen zum Politiker ist also nur ein kleiner Schritt.

Geborene Killer

"War is a male reproductive strategy. All that is needed for the strategy to evolve, is that aggressors fight and win more often than they lose."
-- Michael P. Ghiglieri

Wenn wichtige Ressourcen, wie Nahrungsmittel, Platz, Energie oder andere begehrte Güter knapp werden, neigt der Mensch dazu, sich diese Ressourcen durch Krieg gegen die Mitbewerber zu sichern. Dazu werden rivalisierende Bevölkerungsgruppen teilweise vollständig ausgerottet. Allen voran die fremden Männer, aber auch Kinder und alte Frauen. Junge Frauen werden oft für die eigene Reproduktion vergewaltigt und am Leben gelassen.

Von friedliebenden Menschen wird oft gemutmasst, dass dieses gewalttätige Verhalten von vielen brutalen Filmen oder einer schlechten Erziehung herrührt. Doch Kriege gab es schon seit Menschengedenken, lange bevor das Fernsehen erfunden wurde.

Sogar Schimpansen führen regelrechte Kriege, bei denen die Bevölkerung von Nachbarsippen getötet wird. Schimpansen sind die Tiere, die uns Menschen genetisch am ähnlichsten sind.

Hier einige der vielen Toten, die allein im letzten Jahrhundert durch Menschengewalt gestorben sind:

Land Jahre Anzahl Tote
China (PRC) 1949-1987 > 70.000.000
UDSSR 1917-1987 61.911.000
Deutschland 1933-1945 20.946.000
China (KMT) 1928-1949 10.075.000
Japan 1936-1945 5.964.000
China (Mao Soviets) 1923-1949 3.466.000
Kambodscha 1975-1979 2.035.000
Turkei 1909-1918 1.883.000
Vietnam 1945-1987 1.670.000
Polen 1945-1948 1.585.000
Pakistan 1958-1987 1.503.000

Tragödie des Gemeinschaftseigentums - Tragedy of the commons

Garrett Hardin hat 1968 sein Werk über die "Tragedy of the commons" geschrieben, das deutlich macht, warum Kommunen und Gemeinschaftsexperimente immer wieder scheitern.

So schön es klingt mit dem Gemeinschaftseigentum - fast immer ist es zum Scheitern verdammt. Das liegt an den angeborenen Eigenschaften der Menschen, danach zu streben, aus allen Möglichkeiten immer das Beste für sich selbst herauszuholen. Da arbeiten die eigenen Gene ganz massiv gegen jede noble Einsicht.

Nehmen wir als Beispiel eine gemeinsame Wiese, auf der alle Bewohner einer Siedlung ihre Ziegen weiden können. Auf der Wiese wächst genug Gras, um zehn Ziegen zu versorgen.

Nun schafft sich einer der zehn Dorfbewohner eine zusätzliche Ziege an, sodass elf Tiere auf der Weide stehen und fressen. Die Weide wird jetzt überbeansprucht und nährt die Ziegen nicht mehr ganz so gut wie vorher. Für den einen Dorfbewohner mit den zwei Ziegen ist es jedoch ein gutes Geschäft, weil er durch diese Massnahme doppelt soviele Ziegen mästen und verkaufen kann.

Die anderen Dorfbewohner haben dadurch weniger Profit, denn ihre Ziegen werden nicht mehr so dick wie vorher und bringen daher weniger Geld auf dem Markt. Also sehen sie sich gezwungen, auch zusätzliche Ziegen anzuschaffen und auf der Weise fressen zu lassen.

Nach kurzer Zeit ist die Weide überweidet und gibt nicht mehr genug Gras her, um die Ziegen auch nur halbwegs satt zu bekommen, von Mästen ganz zu schweigen. Nicht einmal mehr für die ursprünglichen zehn Ziegen würde das Gras reichen, weil die Wurzeln teilweise so stark geschädigt sind, dass weniger wächst als am Anfang.

Starke Regenfälle und die Beanspruchung durch die Tiere lassen die Weide schliesslich so stark erodieren, dass die Weide unbrauchbar wird und letztendlich niemand mehr Ziegen halten kann.

So ähnlich geht es fast allen Gemeinschaftseinrichtungen, bei denen auf die Einsicht der beteiligten Menschen gehofft wird.


Dieser Artikel wurde inspiriert von: http://dieoff.com/page193.htm



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