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Yellowstone-Szenario

Ich hab mir mal ausgemalt, wie das so ablaufen könnte, wenn die Yellowstone-Caldera hochgeht.

Kurz eine Erklärung, worum es geht:
Die Yellowstone-Caldera, von der hier immer mal wieder geschrieben wird,
ist eine sehr grosse Magma-Blase unterhalb des Yellowstone-Nationalparks in den USA.

Wissenschaftler haben festgestellt, dass dieser unterirdische Supervulkan
alle 700.000 Jahre ausbricht und das letzte Mal ist schon 640.000 Jahre her.
Im Prinzip könnte so ein Ausbruch also demnächst mal wieder stattfinden,
aber es könnte auch noch zehntausende von Jahren dauern.

Einen vergleichbaren Ausbruch gab es vor etwa 71.000 bis 75.000 Jahren,
als der Vulkan Toba bei Sumtra ausbrach.
Dabei starben fast alle Steinzeit-Menschen aus.
Nur wenige überlebten.

Der Ausbruch des Vulkans Toba war etwa 4.000 - 10.000 mal so stark,
wie der Ausbruch des Mt. St. Helens in den USA 1980.

Bei einem Ausbruch der Yellowstone-Caldera rechnet man hingegen mit der bis zu 15.000 fachen Stärke des Mt St. Helens.
So ein Vulkan-Ausbruch entspricht von der Stärke her einem mittleren Asteroiden-Einschlag.

Und so könnte ich mir das mit der Yellowstone-Caldera vorstellen:

Nehmen wir an, es ist ein 10. Dezember.
Auf den einschlägigen Beobachtungs-Webseiten wird eine Erhöhung des Yellowstone-Bodens
von mehr als 3 Meter über den Höchstwerten der letzten 50 Jahre festgestellt.
Der grosse Geysir, der von vielen als Indikator betrachtet wird,
spuckt jedes Mal 20 Prozent mehr Wasser aus als sonst.

In diversen Prophezeihungsforen von fleissigen Beobachtern gemeldet und anschliessend hitzig durchdiskutiert.

Manche Fachzeitschriften bereiten Artikel für die nächste oder übernächste Ausgabe vor.

Der Boden senkt sich wieder leicht ab und nichts weiter geschieht.
Die Diskussionen in den Internet-Foren werden von drohenden Winterstürmen oder Dramen an der Börse abgelöst.

Am 27. Dezember erscheint am späten Abend in allen Medien die Nachricht,
dass sich der Boden des Yellowstone-Parks um 20 Meter nach oben gewölbt hat.
Am 28. Dezember geht die Meldung durch alle Nachrichtensendungen und Magazine
und Experten werden auf allen Kanälen befragt.
Gegen 20 Uhr kommen erste Meldungen von leergekauften Supermärkten.
Die Polizei meldet ein Selbstmordaufkommen, dass die übliche Weihnachtssteigerung deutlich übertrifft.

Am Abend des 29. Dezembers sind nahezu alle Supermärkte ausverkauft,
bis auf ein paar wenige Produkte, wie sauer eingelegte Auberginen.
Aufgrund des Jahreswechsels und der Inventur sind die Bestände in den Läden sowieso heruntergefahren
und weil zwischen den Jahren das Geschäftsleben sowieso nahezu danieder liegt,
klappt es auch mit dem Nachschub nicht so gut wie üblich.

Bis Silvester hebt sich der Yellowstone-Boden noch um weitere 2 Meter
und in vielen Gegenden bricht Panik aus.
Die Menschen rennen verstört durch die Städte
oder betrinken sich noch hemmungsloser als sonst an Silvester.

Sie erwarten den Untergang der Welt pünktlich zu Neujahr.
Durch die Panik entsteht natürlich ein immens grosser Sachschaden
und es gibt viele Verletzte und etliche Tote.

Neujahr bricht an.
Die Welt geht nicht unter.

Am 3. Januar melden die Nachrichten, dass sich der Yellowstone-Boden wieder um 10 Meter gesenkt hätte.
Alle atmen auf.
Ganz allmählich kehrt wieder Normalität ein.
Bis die Lieferengpässe behoben sind, dauert es jedoch bis Mitte Februar.

Möglicherweise würden jetzt viele Leute anfangen, sich Vorräte anzulegen.
Wenn das sehr viele wären, würde es immer wieder Liefer-Engpässe geben,
denn die Wirtschaft ist nicht darauf eingerichtet, den zügigen Aufbau von Vorräten zu beliefern.
Das liegt am Abbau der Lager durch Just-in-time-Belieferung.

Internet-Foren zu Survival-Themen würden grossen Zulauf bekommen
und Outdoor-Läden hätten einen Boom ohne Gleichen.

Im Verlauf des Frühlings hebt und senkt sich der Boden des Yellowstone-Parks immer mal wieder.
Die Nachrichten über diesbezügliche Änderungen werden zum Alltag und somit für die meisten langweilig.

Survivalisten beobachten das Auf und Ab jedoch mit zunehmendem Argwohn und treffen letzte Vorbereitungen.

Die meisten werden sich ärgern, dass sie nicht mehr Geld haben, um sich besser auszurüsten.

Anfang Juni fangen die Pflanzen in den Gärten gerade an zu explodieren, was das Wachstum angeht.
Der Sommer verspricht schön zu werden und auch der Frühling hatte genug Wärme und Regen für ein gutes Jahr.

In den Nachrichten ist die Yellowstone-Caldera plötzlich wieder an erster Stelle,
denn der Boden hebt sich um 50 cm in der Stunde und der grosse Geysir hört nicht mehr auf zu speien.
In den USA beginnt eine grosse Evakuierungswelle.
Alle Flughafen, Strassen und Züge sind völlig überlastet.
Die einen fliehen aus den Rocky Mountains nach Texas, die Texaner fliehen an die Ostküste und die New Yorker fliegen nach Europa.
Aber die allermeisten stehen in irgendeiner Schlange oder einem Stau.

Manche leiden schon unterwegs an Austrocknung,
weil sie in der Eile nicht genug zu trinken mitgenommen haben,
und der Juni sich ausgesprochen heiss entwickelt.

Auch in Europa und den anderen Kontinenten macht sich mehr oder weniger Panik breit.
Einige glauben nicht an eine Katastrophe, andere wollen in aller Eile nachholen,
was sie in all den Jahren vorher nicht hatten machen wollen
oder immer vor sich hergeschoben hatten.
Relativ wenige treffen die allerletzten Vorbereitungen.

Dann ist es plötzlich soweit.

Selbst im fernen Europa hören manche ein dumpfes Grollen.

Aus den USA gibt es noch ein paar Live-Bilder von sich steigernden Beben in der Yellowstone-Region
und dann einer immensen Explosion, bei der Magma, Asche, Rauch und Schwefelsäure
bis in 50 km Höhe geschleudert wurden.
Aus den verschiedenen amerikanischen Städten gibt es Bilder von heftigen Erdbeben,
meterhohem Ascheregen, der alles bedeckt, und anschliessend superstarke Stürme
bis alle Bilder nach und nach erlöschen.

Vom Rest der Welt werden in den nächsten Stunden leichte bis mittlere Erdbeben
in Japan, Taiwan, Türkei und Italien gemeldet.
Sogar am Oberrheingraben gibt es ein Beben der Stärke 3 auf der Richterskala,
das aber keinen nennenswerten Schaden anrichtet.

Japan wird als nächstes von der dunklen Riesen-Wolke erfasst,
die durch den Ausbruch der Yellowstone-Caldera entstanden ist.
Stürme eilen über das Land und bringen Dämmerung am hellichten Tag.
Die Temperatur fällt innerhalb von wenigen Stunden von 25°C auf 15°C.

Einige tapfere Sender bringen diese Neuigkeiten der entsetzt zuschauenden restlichen Welt.
Die Übertragung per Satellit wird aber zunehmend schlechter,
weil die Verbindung zu immer mehr Sateliten durch die Trübung der Atmosphäre gestört wird.

Innerhalb von drei Wochen überzieht die dunkle Wolke die gesamte Nordhalbkugel.
Sonnenuntergänge sind spektakulär wie nie und durch den dämmrigen Wolkenschleier
kann man kaum die Sonne erkennen.
Nach und nach trübt sich auch die Atmosphäre in der Südhalbkugel ausgehend vom Eruptionsdruck der Ausbruchs
und dann vom südlichen Passat verbreitet.

Weltweit fallen die Temperaturen um 5° bis 15°C.
Starke Stürme toben über Land und Wasser,
weil das gesamte Klima der Erde unter der Abkühlung leidet.

Frühling/Sommer:
Selbstversorger auf dem Land sind entsetzt, weil ihre Anbaupläne und Nahrungsgrundlage
durch die Dämmerung und die Kälte fast unmöglich geworden sind.
Manche haben zusätzlich zu den Feldern noch haltbare Dauervorräte,
andere haben ausschliesslich auf ihren Anbau vertraut und sehen hungrigen Zeiten entgegen.

Die ständige Dämmerung zerrt an den Nerven von allen, die bis jetzt noch durchgehalten haben.



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